Der Neunerberg: Öko-Landbau zum Anfassen

Der vier Hektar große Neunerberg im dicht besiedelten Münchner Süden zeigt ökologische Landwirtschaft hautnah. Im Wechsel der Jahreszeiten können Schul- und Kindergartenkinder sowie Erwachsene das kleinflächig gestaltete Gelände mit seinen unterschiedlichen Kulturen und Lebensräumen beobachten und sogar selbst Hand anlegen.

Zum Gelände gehören Ackerflächen, unterschiedlich bewirtschaftete Wiesen, Streu-, Kern- und Beerenobst sowie ein Schaugarten. Natürliche Biotopflächen wie Hecken, Ackerrandstreifen und eine Bienenweide fördern die Artenvielfalt und bieten Insekten, Vögeln, Igeln und anderen Kleintieren ein Zuhause.

Das Bewirtschaftungs-Konzept richtet sich nach Klima und Bodenbeschaffenheit am Neunerberg. Es ist für acht Jahre im Voraus festgelegt und folgt dem ökologischen Prinzip: Die verschiedenen Feldfrüchte ergänzen sich und hinterlassen im Boden eine Reihe von wichtigen Stoffen, die nachfolgenden Pflanzen wiederum als Nahrung dienen. So ist Klee-Gras-Gemenge zum Beispiel ein hervorragender natürlicher Stickstofflieferant – in der herkömmlichen Landwirtschaft muss diese Funktion ein mit hohem Energieaufwand produzierter synthetischer Stickstoffdünger übernehmen.

Besucher, Spaziergänger und Jogger sind herzlich eingeladen, sich von dem Fußweg aus, der rund um das Gelände führt, ein Bild vom ökologischen Landbau vor ihrer Haustür zu machen:

1. Wildbienenbiotop

2. Nachwachsende Rohstoffe

3. Salbei-Glatthaferwiese

4. 8-gliedrige Fruchtfolge

5. Vogelschutzhecke

6. Streuobstallee

7. Hopfen

8. Beerenkulturen

9. Streuobstwiese

 10. Umstellungsfläche / Dauerbegrünung mit Wildpflanzen

Beitrag zur Geschichte

Der Name „Neunerberg“ leitet sich vom königlich-bayerischen Hoflieferanten und Weingroßhändler Wilhelm Neuner ab, der in den Würm-Auen am Rande von Planegg Anfang des letzten Jahrhunderts eine beeindruckende Villa errichten ließ. Der Volksmund nannte die Villa das Neuner-Schlössl.

Der etwas westlich davon gelegene großflächige Grünzug zwischen den Gemeinden Planegg und Gräfelfing (der heutige Neunerberg) war nach Westen hin begrenzt von einer hohen Böschung, dem Neunerbergl. Das Neunerbergl ist den meisten Anwohnern ein Begriff und so hat sich derselbe Name für die Grünfläche eingebürgert.

Bis 1915 gehörte die Fläche der Planegger Bankiers-Familie von Hirsch, die es an Elisabeth Seidls Vater, den Hut-Fabrikanten Anton Seidl, verkaufte. Schon damals wollten beide, der Baron von Hirsch wie auch sein Nachfolger Anton Seidl, die Fläche in ihrer Gesamtheit erhalten. Dies war auch stets ein Anliegen von Elisabeth Seidl. Durch die von ihr veranlasste Übertragung des Neunerbergs an die Seidlhof-Stiftung bleibt diese Fläche langfristig als wertvoller Grünzug erhalten.

Mehr als nur Gras und Acker

Die Gesamtfläche des Neunerbergs beträgt 3,5 Hektar.
1,3 Hektar werden mit einer acht-gliedrigen Fruchtfolge bewirtschaftet:

  • 1. Jahr Kleegras
  • 2. Jahr Kleegras
  • 3. Jahr Sommerweizen
  • 4. Jahr Winterroggen
  • 5. Jahr Klee-Gras-Gemenge
  • 6. Jahr Dinkel
  • 7. Jahr Körnerleguminosen
  • 8. Jahr Kartoffeln 

Die 4000 Quadratmeter große Wiesenfläche entwickelte sich seit dem Jahr 2007 durch Übertragung von Mähgut aus Randbereichen der Garchinger Heide. Im Laufe weniger Jahre konnten sich hier zahlreiche, für die Münchner Ebene typische, Pflanzenarten extensiv genutzter Wiesen etablieren. Zudem ist die Umwandlung von Acker in Grünland ein wertvoller Beitrag zum Klimaschutz. Durch die noch viele Jahre lang laufende Anreicherung von Humus unter der Wiese kann viel Kohlendioxid aus der Atmosphäre gebunden werden.

 

 

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