Elisabeth Seidl kam im Kriegsjahr 1915 in München zur Welt. Im selben Jahr errichtete ihr Vater, der Hut-Fabrikant und Hobby-Landwirt Anton Seidl an seinem Wohnort Gräfelfing bei München einen Bauernhof. Er wollte seine Familie für den Fall einer Hungersnot abgesichert wissen. Elisabeth und ihre Schwester wuchsen zu gleichen Teilen auf eben jenem Seidlhof sowie in der benachbarten Villa der Eltern auf.
Das Interesse am ökologischen Garten- und Landbau wurde ihr praktisch in die Wiege gelegt. Sie erinnert sich: "Als ich Kind war, kannte man nichts anderes als Öko-Landbau, nur nannte man es damals nicht so.
Es gab keinen Kunstdünger, sondern einen Misthaufen. Wir hatten keine Fahrzeuge, der Pflug wurde mit dem Ochsen gezogen. Und das Wissen um die Natur und wie sie genutzt wird, wurde jeder Generation weitergegeben. Heute ist das leider anders…"
Nachdem ihre Mutter 1933 und 1940 der Vater gestorben waren, lernte sie schon als junge Frau, auf eigenen Beinen zu stehen. Sie baute die elterliche Landwirtschaft nach 1945 wieder auf und schaffte es, den gesamten Besitz zu erhalten.
Schon früh wollte sie der zunehmenden Industrialisierung etwas entgegensetzen und wurde Anfang der 80er Jahre Gründungsmitglied des Naturland-Verbandes. www.naturland.de
Der Seidlhof mit seiner außergewöhnlichen biologischen Vielfalt dient - neben der ökologischen Produktion von gärtnerischen und landwirtschaftlichen Erzeugnissen - schon seit vielen Jahren als Ort des Lernens, der Inspiration und des Erlebens von Natur und Kunst.
Die im Jahr 2005 von ihr gegründete Seidlhof-Stiftung soll nun auch die vier Hektar große historische Grünfläche namens Neunerberg an der Grenze zu Planegg für künftige Generationen öko-interessierter Naturliebhaber erhalten. Dort soll ökologischer Landbau in seiner ganzen Bandbreite für junge Menschen erlebbar sein.
Seit 2006 wird der an die Würm-Auen angrenzende Grund und Boden vom Agrar-Ingenieur Marco Zehner bewirtschaftet. Seitdem haben bereits zahlreiche Schulklassen an den jahreszeitlich orientierten Lehr-Ausflügen und -Aktionen teilgenommen und unter anderem Bäume und Hecken gepflanzt, Kartoffeln gelegt und Getreide ausgesät. Das Angebot der ökologischen Umweltbildung und praktischen Heranführung an Natur und biologische Landwirtschaft weckt bei Kindern und Erwachsenen gleichermaßen Begeisterung.
Nicht zuletzt setzt der Neunerberg als Blickachse einen landwirtschaftlichen Akzent: Von der Hangkante über die Würm bis zur wunderbaren Steinkirchner Kirche. Diesen Freiraum zu bewahren war schon das gemeinsame Anliegen von Baron Rudolf von Hirsch, einem Wohltäter des Würmtals, und des Hutfabrikanten Anton Seidl.
Es war und ist Elisabeth Seidls Vision:"So eine große, zusammenhängende Grünfläche ist einzigartig im Landkreis München. Dieses Naturparadies an der Würm, als Ort, an dem ökologisches Bewusstsein waltet, hat das Potenzial und die Absicht, sich segensreich für künftige Generationen auszuwirken.
Nachruf
Am Montag, dem 10. September 2007 verstarb die Gründerin der Seidlhof-Stiftung, Frau Elisabeth Seidl im hohen Alter von 92 Jahren. Am darauf folgenden Freitag fand der Gottesdienst in der Pfarrkirche St. Stefan und die Beisetzung auf dem Friedhof von Gräfelfing statt.
Elisabeth Seidl kam 1915 als jüngste Tochter des Hutfabrikanten Anton Seidl und dessen Ehefrau Emilie in München zur Welt. Den größten Teil ihres Lebens verbrachte sie in Gräfelfing. Noch in ihrem Geburtsjahr - mitten im Ersten Weltkrieg - hatte der Vater landwirtschaftlichen Grund in Gräfelfing erworben und darauf einen landwirtschaftlichen Betrieb errichtet, den späteren Seidlhof. So war der Tochter Elisabeth die Landwirtschaft quasi in die Wiege gelegt worden. Die Passion für einen naturverbundenen Landbau sollte sie ein Leben lang nicht mehr loslassen. "Als ich ein Kind war kannte man nichts anderes als Öko-Landbau, nur nannte man es damals nicht so. Es gab keinen Kunstdünger, sondern einen Misthaufen. Wir hatten keine Fahrzeuge, der Pflug wurde mit dem Ochsen gezogen. Und das Wissen um die Natur und wie sie genutzt wird, wurde jeder Generation weitergegeben" sagte sie einmal. Nach dem Tod des Vaters Anton führte Elisabeth Seidl den Seidlhof mit den Flächen am Neunerberg und an der Bäckerinnung weiter. Sie ging damals mit ihrer Landwirtschaft einen eigenen Weg, der nicht der bequemere Weg der Mehrheit war. Spezialisierung und Industrialisierung übersprang sie, erkannte früh die damit verbundenen Gefahren für Natur und Gesundheit. Unbeirrt verfolgte sie ihre Vision eines naturgerechten, ökologischen Landbaus in Verbindung mit naturgemäßer Gesundheitsvorsorge. Seit 1974 bis zu ihrem Tode stand ihr dabei als Mitarbeiterin Ingrid Sele zur Seite. Den großen Durchbruch ihrer Ideen und Ideale im Gesundheitswesen konnte sie nicht mehr erleben, wohl aber die starke Zunahme des ökologischen Landbaus seit der Jahrtausendwende bis heute.
Zur Weiterführung ihrer Ideale in die Zukunft gründete Elisabeth Seidl im Jahr 2005 die Seidlhof-Stiftung. Hiermit investierte sie in das Wohl künftiger Generationen. Umweltbildung vor allem für Kinder und Jugendliche, naturgemäße Gesundheitsvorsorge und ökologischer Land- und Gartenbau stehen im Mittelpunkt der Aktivitäten der Stiftung. Im selben Jahr wurde sie für langjährige Mitgliedschaft im Naturland-Verband geehrt. Elisabeth Seidl war im Jahre 1982 eines der Gründungsmitglieder dieses heute weltweit tätigen Verbandes für ökologischen Landbau gewesen. |